Augusto Jone Munjunga

Augusto Jone Munjunga wurde 1965 in Angola geboren. Nach dem Militärdienst arbeitete er als Finanzkaufmann im Staatsministerium der Provinz Benguela. Mit der Vorstellung zu studieren kam Augusto 1987, als 22 Jähriger in die DDR. Statt des Studiums wurde er im SVKE [Schlacht- und Verarbeitungskominat Eberswalde] als Vertragsarbeiter eingesetzt. 1990 entschied sich Augusto gegen die Rückkehr nach Angola trotz der angebotene 5000 DM Abfindung. Er blieb in Deutschland um weiter zu arbeiten und Geld zu verdienen. Mit anderen Vertragsarbeiter:innen gründete er 1994 den Afrikanischen Kulturverein Palanca in Eberswalde. Nach dem dramatischen Mord an Amadeu Antonio Kiowa 1990 ist Ziel des Vereins ist die gesellschaftlichen Mitwirkung so wie das Zusammenleben und Vermitteln zwischen den Kulturen. Deutschland ist seine Heimat geworden, heute lebt Augusto zwischen Eberswalde und Berlin.
Aus dem Archiv von Augusto Jone Munjunga
Aus dem Archiv von Ngoc Bich Pfaff

Ngoc Bich Pfaff

Ngoc Bich Pfaff wurde 1964 in Vietnam geboren. Mit 17 Jahren kam sie als Auszubildende in die DDR und arbeitete dann in Schwarzenberg-Erzebirge. Entgegen der Bestimmungen für den Aufenthalt wurde Ngoc Bich Pfaff schwanger und entschied sich 1986 ihre Tochter zu bekommen. Mit der Unterstütztung von einer deutschen Bekannten konnte sie trotz Mutterschaft in der DDR bleiben und weiter arbeiten. 1987 heiratete Ngoc Bich Pfaff einen deutschen Mann für das Bleiberecht. Sie hat heute ihre eigene Schneiderei in Chemnitz, wo sie immer noch lebt.
Bichs Interviews: du bist ganz anders gesehen

David Macou

David Macou wurde 1959 in Mosambik geboren. 1979 kam er mit 19 Jahren, als einer der ersten mozambikanischen Vertragsarbeiter:innen, in die DDR. Er arbeitete im VEB Braunkohlewerk Welzow [Schwarze Pumpe]. Mit polnischen, vietnamesischen und mosambikanischen Vertragsarbeiter:innen lebte er im Wohnheim in Hoyerswerda. Unter dem Beifall der Nachbar:innen erlebte David Macou, im Mai 1990 und September 1991, die Angriffe von Neonazis auf das Vertragsarbeiterwohnheim. Für 12 Jahre war Hoyerswerda David Macous Zuhause bis im Oktober 1991 alle Vertragsarbeiter:innen nach Mosambik geschickt wurden. David Macou ist Teil der Gruppe, die wöchentlich in Maputo protestiert, und die Auszahlung der Lohn- und Rentenansprüche fordert.
Aus dem Archiv von David Macou
Bundesarchiv, Bild 183-Z0514-026/CC-BY-SA 3.0

Dorina und Andreas S.

Dorina S. wurde 1969 geboren und wuchs in Rostock-Lichtenhagen auf. Nach der Lehre als Verkäuferin arbeitete sie ab 1988 als Betreuerin für geistigbehinderte Jugendlichen in Rostock-Lichtenhagen. Andreas S. wurde 1965 geboren und wuchs mit fünf weiteren Geschwistern im Rostocker Hansa-Viertel auf. Bis zu einem Arbeitsunfall war er Facharbeiter für geologische Bohrung. Ab 1989 arbeitete er mit geistig behinderten Jugendlichen in Rostock-Lichtenhagen. Über die gemeinsame Arbeit im Wohnheim für Menschen mit Behinderung lernten sich Dorina und Andreas S. kennen. Nach der Geburt ihrer Tochter zogen sie 1990 nach Rostock-Lichtenhagen, wo sie im August 1992 Zeug:innen der Pogrome wurden. Sie leben, nach wie vor, in der Nähe von Rostock-Lichtenhagen.

Duong Hoai Nam

1958 wurde Duong Hoai Nam wurde in Vietnam geboren. Duong Hoai Nam ist während dem Vietnamkrieg aufgewachsen und kam 1988 als Vertragsarbeiter in die DDR. Von 1988 bis 1991 war er vollbeschäftigt in einem Kombinat in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz). Heute lebt er in Leipzig, arbeitet als Trainer in seinem eigenen Kampfsport Studio und ist leidenschaftlicher Musiker.
Hoais Interviews: ich liebe Deutschland
Bundesarchiv, Bild 183-1982-0915-020 / CC-BY-SA 3.0
Aus dem Archiv von Ibraimo Alberto

Ibraimo Alberto

Ibraimo Alberto wurde 1963 in Mosambik geboren. Er kam 1981 für ein Studium in die DDR, statt dessen wurde er im VEB Fleischkombinat Berlin als Vertragsarbeiter eingesetzt und als Fleischer ausgebildet. Nach einem kurzen Aufenthalt in Mosambik kam Ibraimo Alberto zurück in die DDR. Für das VEB Glaswerk Stralau arbeitete er als Gruppenleiter der mosambikanischen Vertragsarbeiter:innen. Zeitgleich begann er das Boxen zu trainieren. 1988 bekam Ibraimo Alberto eine „Teil-Einbürgerung“ in die DDR um bei internationalen Boxwettkämpfen anzutreten. 1990 zog er nach Schwedt, später machte dort er eine Ausbildung zum Sozialarbeiter und war anschließend Ausländerbeauftragter der Stadt Schwedt. Inzwischen lebt er wieder in Berlin, er ist weiterhin sozial engagiert und trainiert mit Jugendlichen das Boxen.

Jan K. und René K.

Jan K. wurde 1968, René K. 1976 geboren. Im September 1991 waren beide Teil der Masse in Hoyerswerda, die das Wohnheim für Vertragsarbeiter:innen und die Geflüchtetenunterkunft angriff. Heute sind Jan K. und René K. engagierte Mitglieder des VVN-BdA [Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V.]. Beide leben weiterhin in Hoyerswerda.
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0115-032 / Kluge, Wolfgang / CC-BY-SA 3.0
Aus dem Archiv von Augusto Jone Munjunga

Kordula S.

Kordula S. wurde 1960 in Eberswalde geboren. Sie arbeitet bis 1991 im SVKE [Schlacht- und Verarbeitungskominat Eberswalde], dort war sie unter anderem als Betreuerin der angolanischen und mosambikanischen Vertragsarbeiter:innen beschäftigt. 2000 gründete Kordula S. ihr eigenes Bestattungsunternehmen. Seit 1999 ist sie Mitglied der PDS, jetzt DIE LINKE, und war in der kommunale Politik engagiert. Weiterhin ist Kordula S. ehrenamtlich in Vereinen und karikativen Einrichtungen in der Region Schorfheide engagiert.
Kordulas Interview: für mich war das ein Unfall

Lam Goltzsch

Lam Goltzsch wurde 1951 in Hanoi geboren. Direkt nach dem Abitur 1968 kam sie in die DDR, wo sie an der TU-Dresden Maschinenbau studierte. Lam Goltzsch kam als Vertragsarbeiterin 1987 ein zweites Mal in die DDR. Sie arbeitete als Sprachvermittlerin im VEB Kombinat Textima in KarlMarx-Stadt (heute Chemnitz). 1989 holte sie ihre jüngere Tochter in die DDR nach. 1992 hat Lam Goltzsch geheiratet und damit den Aufenthaltstitel erhalten. Lam Goltzsch lebt heute immer noch in Chemnitz, ihre beiden Töchter arbeiten jeweils als Ärtzin und Steuerberaterin.
Lams Interview: Heimat hin oder her
Aus dem Archiv von Lam Goltzsch
Archivbild von Hayo von Reyhe

Lan und Huu Loi Bin Seifert

Lan Seifert wurde 1970 und Loi Bin Seifert wurde 1965 geboren. Beide wuchsen in Vietnam auf und kamen 1988 als Vetragsarbeiter:innen in die DDR. Lan und Huu Loi Bin Seifert waren im VEB Leuchtenbau Leipzig tätig, wo sie sich kennen lernten. Nach der Wende heirateten sie und bekamen einen Sohn. Aus Rationalisierungsgründen konnten nicht beide weiter im Betrieb beschäftigt bleiben, daraufhin entschied sich Loi Bin für eine Umschulung. Lan ist, wie vor der Wende, weiter im ehemaligen VEB Leuchtenbau [heute Leipziger Leuchten GmbH] beschäftigt. Loi Bin arbeitet im BMW Werk Leipzig. Beide leben bis heute in Leipzig und haben einen Schrebergarten.
Lan und Lois Interviews: das ist normal

Moises Mvuama

1966 wurde Moises Mvuama in Angola geboren. Mit dem Wunsch, vier oder acht Jahre, eine Aussbildung als Schiffsmechaniker zu absolvieren kam er 1987 in die DDR. Mit 21 Jahren wurde er in der Schlosserei des SVKEs [Schlacht- und Verarbeitungskominat Eberswalde] ausgebildet und arbeitete bis 1990 als Vertragsarbeiter in Eberswalde. Nach dem gewaltsamen Tod von Amadeu Antonio entschied sich Moises Aufklärungsarbeit in Schulen zu machen. Von 1994 bis 1998 war Moises für den RAA Angermünde [Regionale Arbeitsstelle für Bildung und Integration] beschäftigt. Heute arbeitet er als Sozialbetreuer in der Afrikanischen Ökumenischen Kirche. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.
Aus dem Archiv von Augusto Jone Munjunga
Bundesarchiv, Bild 183-H0612-0301-020/CC-BY-SA 3.0

Siglinde R.

Siglinde R. wurde 1942 geboren. 1977 war sie mit ihrer Familie eine der ersten Mieter:innen in der Plattenbausiedlung Rostock-Lichtenhagen. Sie lebt heute im Sonnenblumehochhaus in Rostock-Lichtenhagen.

Silke und Dennis O.

Silke O. wurde in Hoyerswerda, Dennis O. wurde in Queklenburg geboren, beide sind Jahrgang 1963. Dennis O. hat Silke O. 1984 währen seinem Militärdienst bei der Marine kennengelernt. Im Aschluss zog Dennis O. 1985 nach Hoyerswerda um Silke O. zu heiraten. Silke O. arbeitete als Krippenerzieherin in einem Dauerheim und Dennis O. war im VEB Gaskombinat Schwarze Pumpe beschäftigt. Zur Wende waren beide 26 Jahre alt. Sie haben zwei Kinder, die 1986 und 1989 geboren wurden. Silke und Dennis O. leben und arbeiten weiterhin in Hoyerswerda.
Silke und Dennis Interviews: es war nicht böse gemeint - dieser Begriff „Vertragsarbeiter“ - wir waren immer sicher - die Möglichkeit hatten wir gar nicht - es war so ein wirre Zeit
Bundesarchiv, Bild 183-78464-0001/CC-BY-SA 3.0